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Erfolgsgeschichte: Junge Bühne der Realschule wird 40 Jahre  

Über 165 000 Zuschauer in 40 Jahren! Die Theater-AG wurde Schulprofil, sie wurde mehrfach künstlerisch und für ihr Engagement ausgezeichnet, ist im Landesverband verantwortlich involviert und leistet  kontinuierliche Theaterarbeit. Auf 40 Jahre Bühnenpräsenz kann die Junge Bühne zurückblicken, ungewöhnlich von der Kontinuität und der Zuschauerzahl von etwa  4000 jährlichen Zuschauern. Dazu gab die Junge Bühne die Grundlage und den Startschuss für die Burgbühne, die im nächsten Jahr 40 Jahre wird. Rund 50 Inszenierungen  fanden in der Erwin-Braun-Halle, im freche hus und auf der Freilichtbühne statt in der Regie von Johanna Graupe, Arthur Hilberer, Carsten Dittrich, dem Kinderbuchautor Milan und seit 2018 dem jetzigen Leiter Stefan Kowalsky. 

Das Ganze begann 1983 mit dem Kinderbuchklassiker „Robinson soll nicht sterben“ – der schon verstorbene Regisseur und Schauspieler Willi Panter gab AG-Leiterin Johanna Graupe den klugen Rat, Erwachsenenrollen in klassischen Kinderstücken mit Erwachsenen, Kinderrollen mit Kindern  zu besetzen, eine Chance, die nur das Amateurtheater bietet und ihren Charme ausmacht. Schon beim ersten Stück mit Hans Friedmann und Willi Panter als Zugpferden und einem neuen jungen Kollegen namens Arthur Hilberer  ergab sich das künftige Regie- und Leitungsduo Hilberer-Graupe:  „Beide passionierte Theatermenschen, beide mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und  mit  über Jahrzehnte hinweg harmonischer Zusammenarbeit“ (Graupe).


Regiepaar Graupe/Hilberer

Und auch die jeweilige Schulleitung stand und steht hinter dem Theaterprofil: Der verstorbene ehemalige Rektor Hans Friedmann ist vielen noch als Räuber Hotzenplotz in Erinnerung, Klaus Lienert und Werner Franz gaben und geben Unterstützung, künstlerische wie finanzielle Freiheiten  - die AG finanziert sich selbst mit Eintritten, Zuschüssen des Landesverbandes Amateurtheater und Sponsoring.


„Der Räuber Hotzenplotz“,1991 und 1992 , Hans Friedmann als Räuber

Während die Aufführungen zunächst  in der EBH-Halle stattfanden, schuf der Garten des freche hus im wahrsten Sinne des Wortes Freiräume zeitlicher und räumlicher Art. Publikumsmagneten waren „Das Dschungelbuch“, „Der Zauberer von Oz“, „Die kleine Hexe“, „Pippi Langstrumpf“, „Der Räuber Hotzenplotz“, „Momo“, „Der kleine Ritter Trenk“ und natürlich die Musicalinszenierungen in Kooperation mit der Musikschule: „Joseph“ und „Die Schöne und das Biest“.

„Der Zauberer von Oz“, 1996, Silvia Baumgärtner und Timo Riegelsberger

„Die Schöne und das Biest", 2007, Kooperation mit Musikschule, Vanessa Söllner und Tanja Lüttner


Die Grauen Herren aus "Momo" 2017


"Der kleine Ritter Trenk" 2018

Auch die Mitwirkenden schrieben ihre Erfolgsgeschichte: Regisseur, Puppen-und Schauspieler Carsten Dittrich setzte mit den Musicalinszenierungen eine Erfolgsmarke, beeindruckend  „Krabat“ von Otfried Preußler, auch nach dem Studium an der renommierten Ernst Busch-Hochschule blieb er in Kontakt mit seinem „Stall“. „Von dem Moment, als ich den Garten des freche hus betrat, hatte mich die Magie des Theaters gepackt, kräftig durchgeschüttelt und ‚Hallo, da bin ich! Und ich geh auch nie wieder weg‘  gerufen. Ich war bereit, alles zu tun, um auf dieser Bühne stehen zu können. Und so bleibt nur eins zu sagen: Eines der wichtigsten Dinge in der Erziehung und Entwicklung eines Jugendlichen ist, seine Stärken und Talente rechtzeitig zu entdecken, vollständig auszugraben und zu fördern, egal in welchem Bereich.“ Timo Riegelsberger ist längst erfolgreich als Regisseur, Komponist, Schauspieler  und hat die Musicals, die er einst für die Junge Bühne schrieb, weiter entwickelt. Für Reiner Karl Müller, Regisseur, Autor, Dramaturg in Hildesheim war Theater die Entdeckung einer „Insel, inmitten einer rationalen Welt, in der für Fantasie und Spiel nicht viel Platz vorgesehen ist“.

Bruno Männle, langjähriger Cheftechniker der Burgbühne, weiß, dass jeder Junge Bühne-Techniker, die von Profis geschult werden, ihren Einsatz in irgendeiner Weise zum Beruf gemacht haben – und sie sorgen wieder für Kontinuität bei der Burgbühne. Und das nicht nur bei den Technikern, sondern auch bei den Schauspielern. Auch die späteren Erzieher, Lehrer – und Eltern tragen ihre Erfahrungen weiter.

Eine Theater-AG hat ja bei Weitem nicht nur ein künstlerisches Anliegen, sondern auch ein  sehr handfestes pädagogisches. Das Theatermodell der Jungen Bühne die wöchentliche Proben von Stefan Kowalsky und Maria Guerra vorsieht, aber wo dann am Ende des Schuljahres über eine Woche geprobt und im Anschluss  eine Woche Aufführungen für Kindergärten und Schulen geleistet werden,  in Theaterzeitschriften als „vorbildliches Modell“ gewürdigt,  trägt Früchte in der Entwicklung der Jugendlichen. Sie lernen, sich zu präsentieren, sind für ihre Kostüme und Requisiten zuständig, sind Teil einer (Erfolgs-)Gruppe, werden gefördert, aber auch gefordert, müssen Disziplin zeigen, Dienste übernehmen, Rücksicht nehmen, wachsen als Ensemble zusammen. Theater sozialisiert und leistet pädagogische Arbeit und gibt auch ganz häufig psychologische Hilfe. „Schule hat sowohl einen Bildungs- wie einen Erziehungsauftrag, und wenn man die Entwicklung der Jugendlichen zwischen den ersten Proben und der Premiere gesehen hat, hat sich da menschlich ganz viel getan“ (Klaus Lienert).

2017 Klaus Lienert, Rektor a.D., bis heute engagiert bei der Bilddokumentation

2018 übernahm Stefan Kowalsky die Leitung der Jungen Bühne, die Übergabe verlief kontinuierlich – mit großem Respekt für die bisherigen Kräfte, die alle langjährig großes Engagement zeigten. In allen Bereichen gibt bzw. gab es kooperative Zusammenarbeit bis zur Übergabe. Gerti Redick, die zum Teil über 80 Kostüme für eine Sommersaison produzierte, Nachtarbeit war keine Seltenheit, wurde von Katrin Merkel abgelöst, den Fundus betreut Lisa Lietz, Maskenbildnerin Silvia Baumgärtner übergab Pinsel und Schwämmchen an Frauke  Baldus-Fleck, Arthur Hilberer agiert auch dieses Jahr noch als Ko-Regisseur und Klaus Lienert ist noch für Dokumentation zuständig.


"Rabatz im Zauberwald" 2019

Das Schmankerl der diesjährigen Jubiläumsinszenierung ist, dass ehemalige RSO-Kollegen mitspielen: Thomas Geiss nimmt lange Fahrten in Kauf, um in seiner liebsten Rolle als deftiger Haudegen aufzutreten, Silvia Baumgärtner agiert wieder einmal als Großmutter, die Junge Bühne-Gründer dürfen als König und Königin bei Mark Twains „Der Prinz und der Bettelknabe“ in guter englischer Tradition in die Menge winken. Eine Fotoausstellung (Klaus Lienert) mit Bildern der Inszenierungen über 40 Jahre wird Reminiszenzen wecken.


„Biene Maja“, 2010, Thomas Geiss

Und die Junge Bühne als konstante Größe im kulturellen Leben des Renchtals wird auch weiterhin für Kinder und Erwachsene Erlebnisse schaffen, die bleiben, selbst im Zeitalter neuer Medien kann dem Theater und seinen lebendigen Figuren zum Anfassen niemand diesen Stellenwert streitig machen.


"Die Rote Zora" 2022

Text: Johanna Graupe  Fotos: Claudia & Klaus Lienert, Carolin Grössl, Johanna Graupe

 

 

 

 

 

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