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„Die rote Zora“ – Ein 60-köpfiges Theaterspektakel der Jungen Bühne  

Zum Mitlachen, Mitfiebern, Mitdenken und zum Mitfühlen

Branko (Mitte: Emil Fleck) wird auf Betreiben des Großgrundbesitzers Karaman (2.v.re: Benjamin Karl) festgenommen, Fischer Gorian (re: Arthur Hilberer) kann der jugendlichen Bande um die „Rote Zora“ schließlich helfen.

Premiere für 60 Akteure vor und hinter der Bühne: Eine gerechtigkeitssuchende Bande Jugendlicher, ein alter Fischer, der sich für sie einsetzt, angepasste Oberschüler, beeinflussbare Bürger, eine abgehobene Schicht Einflussreicher- aus dieser Zusammensetzung entwickelt sich eine spannende Geschichte, die tatsächlich 1941 in einem kroatischen Städtchen passierte. Sozialkritische Aspekte und witzige Kabinettstückchen gingen in der zweistündigen Premiere am Donnerstagabend im Garten des „freche hus“ eine gelungene Mischung ein.

Es geht um Ehre, es geht um Leid, um Freundschaft und es geht vor allem um Freiheit. „In der Hölle sind wir schon, wir können nur noch in den Himmel kommen“, so sehen die Mitglieder der Bande um das Waisenmädchen Zora ihre Welt. Da ist Branko (nach seinem Platz in der Welt suchend: Emil Fleck), sein Vater verschwunden, seine Mutter tot, die Großmutter (schneidend barsch: Maria Guerra), die Teufelin, verjagt ihn. Da sind Duro (klasse zornig: Torben Jost), Pavlina (sehr ausdrucksstark: Maria Frassica), Nicola (temperamentvoll mit starker Gestik: Chiara Lanzillotti), ihre Geschichten sind unterschiedlich, aber alle enden in der Gosse. Gerettet wurden sie alle von dem geheimnisvollen Mädchen mit den roten Haaren, der „Roten Zora“ (großartig, bestimmend wie mitfühlend: Amelie Englert). Sie nennen sich die „Uskoken“ und hausen in einer alten Burg hoch über einer Hafenstadt in Kroatien.

Solidarität, Mut und Kühnheit verbinden diese jungen Raubritter, doch ihre wilden Streiche bringen die Bürgerschaft gegen sie auf, und als ihnen gar das Gefängnis droht, finden sie Unterschlupf beim Fischer Gorian (Arthur Hilberer). Gorian scheut sich nicht, den Finger auf die Wunde zu legen und im Verbund mit der Bande zwingen sie geradezu die Bewohner der Stadt, sich wie verantwortliche Erwachsene zu verhalten und sich um die Kinder zu kümmern. Sie sehen ganz aktuell ein, dass es „in diesen Zeiten schwer ist, gute Gehilfen zu bekommen“ und geben ihnen Arbeit und Brot.

Glücklicherweise muss keiner der Jugendlichen aus Zoras Bande „bis zum Tod kämpfen“ (Gorian), aber kämpfen müssen sie: für ihr Essen, einen Platz zum Schlafen, gegen Vorurteile und Erniedrigungen durch die reichen Oberschüler, gegen den Bürgermeister, den brutalen Großbauern Karaman, die Polizisten – und zuletzt sogar mit den wachsenden Gefühlen füreinander. Es ist eine Geschichte übers Erwachsen-Werden, über Leben und Überleben, aber auch über tiefe Freundschaften und über die erste Liebe. Wichtig ist aber die Hoffnung und der Lebenswille der Kinder, die gegen alle Rückschläge Bestand haben und am Ende das Stück zu einem wahren Mut-Macher werden lassen.


Die „Rote Zora“-Bande wird von den Ordnungshütern im Verbund mit den Mächtigen der Stadt festgenommen: (von li: Moritz Schmiederer, Emil Fleck, Torben Jost, Adrian Heizmann, Maria Frassica, Chiara Lanzillotti und Amelie Englert)

Hauptdarsteller bei der „Roten Zora“ ist ganz klar das Ensemble und die Ensembleleistung ist beeindruckend. Die Zora-Bande wird von erfahrenen Spielern dargestellt, sie und Zugpferde wie  Arthur Hilberer und Maria Guerra geben Kontur. Klasse auch das Trio Infernale der besonderen Art: der reichste Mann der Stadt (überheblich und nicht bekehrbar: Benjamin Karl) mit seinem ähnlich gelagerten Sohn (schön fies: Jakob Ganter), der abhängige Bürgermeister (starke Präsenz: Raphael Reimold) mit seiner Tochter, deren Rolle Emmy Maier noch eine Stunde vor Premiere lernte, weil die vorhergesehene Spielerin ausfiel, witzig der übereifrige Polizist (Adrian Heizmann). Die Oberschüler sind zum größten Teil  Neulinge, die einen klasse Einstieg gaben und bei denen  wie auch bei den ganz unterschiedlichen Dorfbewohnern zahlreiche Talente zu entdecken sind.


Die Gruppe der "feigen Oberschüler" versucht der Roten Zora das Leben schwer zu machen.

Schlichtes, variables Bühnenbild der beiden Regisseure zusammen mit den Technikern, sorgfältig ausgewählte Kostüme (Katrin Merkel und Stefan Kowalsky) Lisa Lietz betreut den Fundus und verstärkt die Truppe zusammen mit Frauke Baldus, beide sind sie auch für die Maske zuständig.  Chapeau für Regisseur Stefan Kowalsky, der die Truppe nach der zweijährigen Freilichtpause wieder aufbaute und in Ko-Regie mit Arthur Hilberer das Stück so beeindruckend  in Szene setzte.

Komplett volles Haus und sehr, sehr langer, lautstarker Beifall für die tolle Leistung von Spielerangehörigen, Unterstützern  und  Kollegium der RSO und Abschluss bei Gugelhupf und Getränken.

Termine der Freilichtaufführung: 16., 17., 23. und 24. Juli, jeweils um 16.00 Uhr, Freitag, 22., und Dienstag, 26. Juli, jeweils um 17.00 Uhr, im Garten des freche hus.

Kartenverkauf- und vorbestellung : Bürgerbüro der Stadt Oberkirch Tel. 07802/82700, www.jungebuehne-oberkirch.de , alle Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse und unter www.ortenaukultur.de

Text und Fotos: Johanna Graupe

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