Letztendlich triumphierte die kleine Hexe doch noch – die großartige Premiere wurde mit zwei Wetter-Pausen komplett gespielt.
Von Johanna Graupe
Es sah sehr positiv aus. Komplett volles Haus: Hausherr OB Bühler mit Familie, Landtagsabgeordnete Katrin Merkel, die auch für die Kostüme der Jungen Bühne zuständig ist, Kollegium der RSO, erwartungsvolle Eltern, Premierenflirren in der Luft. Das Ensemble spielte unbefangen und toll auf – der Kinderbuchklassiker von 1957 wurde in einer aktuellen Fassung von John von Düffel lebendig. Und das mit rund 70 Mitwirkenden in einem liebevoll ausgestatteten Bühnenbild (Arthur Hilberer mit Team) und passenden Kostümen (Katrin Merkel, Lisa Lietz und Claudia Rendler). Acht Techniker sorgen für den richtigen Ton und dass alle Zaubereien auch funktionieren.
127 ist für eine Hexe noch kein ehrwürdiges Alter, deshalb darf sie in der Walpurgisnacht nicht auf die Hornisgrinde zum Hexentanz kommen. Aber die kleine Hexe will sich nicht an die Spielregeln der Alten halten, sie trumpft als trotziges Kind auf, aber nicht als eines, das nur mault, sondern, das kreativ wird. Also macht sie sich gegen den Rat ihres besorgten Gefährten, den sprechenden Raben Abraxas auf den Weg und ist unversehens mittendrin im illustren und klasse aufspielenden Kreis der Wasser-(Mia Ulbricht), Kräuter-(Hanna Schmidt), Wind-(Anna Huber), Knusper-(Annabell Scherwitz), Eis-(Luisa Gnann), Feld-(Cora Heizmann), Sumpf-(Rijana Retsch), Wald-(Lisa Stumpp) und Feuerhexe (Nora Schwarz). Doch schon bald wird sie von der Wetterhexe Rumpumpel entdeckt und zur Oberhexe (majestätisch: Birgit Hellrung) zitiert. Die ist noch gnädig und erlaubt ihr tatsächlich, im kommenden Jahr am Hexentanz teilzunehmen, wenn sie alle Regeln des dicken Hexenbuchs auswendig kann und eine „gute“ Hexe geworden ist.
Allerdings hält sich die kleine Hexe nicht an die Regeln: Warum soll man für Kinder (lebendig gespielt: Julia Huber, Sophia Maier) freitags nicht zaubern dürfen? Sie hilft den armen Frauen Holz sammeln, bewegt den Förster (Moritz Schmiederer) subtil zur Hilfe, rettet die Maronifrau (Matilda Roth) vor einer Erkältung, erschreckt Spiel-Störer Schanti und Jäcky (Kathrin Grimmig und Heike Schweiger) derart, dass sie vor dem plötzlich lebendigen Schneemann (Simon Lehmann) Reißaus nehmen. Heimattage-Feeling gibt es auch mit einem klasse Stelzenläufer (Theo Fleck) und beim Schützenfest mit einem Junge Bühne-Musikverein, wo es einen lebenden Preis geben soll. Zauberei, dass der Ochse (Lisa Stump, Heike Schweiger) wieder zu den richtigen Besitzern zurückgelangt.
„Was ist mit der schwarzen Wolke da oben, ist das die Muhme Rumpumpel?“: Gut dass viele Helfer, auch von der Burgbühne, anwesend waren, als die Wetterhexe nach der Pause parallel zum Text richtig fies dazwischen funkte. Eine Pause in der Scheune und im Innentheater bei Gugelhupf und Getränken für die Zuschauer, währenddessen die Bühne wieder gerichtet wurde – und dann ging’s weiter. Kurz vor Schluss noch einmal eine kurze Zwangspause und das positive Ende sahen die Zuschauer schließlich stehend, begeistert und in bester Stimmung.
Ein Glücksfall für die Inszenierung ist Emma Müller - sie überzeugt als kleine Hexe, die gerne zaubert, aber nichts Böses will, sie strahlt Selbstbewusstsein aus, ist erfinderisch, eignet sich Wissen an, um die alten bösen Hexen auszutricksen. Mit Frauke Baldus-Fleck als Rabe Abraxas ist eine ideale Partnerschaft: Manchmal etwas altklug und ängstlich ist der Rabe ihr doch eine große Hilfe. Beide sind ideale Identifikationsfiguren für Kinder. Als Gegenpart bietet sich die Rolle der fiesen Denunziantin an, die Muhme Rumpumpel, die Maria Guerra formidabel fies verkörpert. „Manchmal muss man Gutes tun, indem man Bösen Schlechtes tut“, resümiert die kleine Hexe nach ihrer gelungenen Lösung des Problems. „Talente entdecken, Selbstvertrauen wachsen lassen, Stärken sichtbar machen und die Mitwirkenden darin unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden – auf der Bühne und darüber hinaus“ ist das Anliegen der beiden Regisseurinnen Frauke Baldus-Fleck und Maria Guerra.
Weitere Aufführungen sind am: Freilichtaufführungen der Jungen Bühne im Garten des „freche hus“ sind am 19.7. und 26.7. jeweils um 10:30 Uhr; Fr., 24.7. um 19.00 Uhr; Sa., 25.7. um 16:30 Uhr und 19.00 Uhr; So., 26.7. um 17.00 Uhr.
Wenn es regnet, wird in der Aula der Realschule Oberkirch gespielt, Infos hängen dann auch am Eingang des „freche hus“ .
Kartenvorverkauf: www.ortenaukultur.de, Bürgerbüro der Stadt Oberkirch, 07802/82700, oder auf www.jungebuehne-oberkirch.de
Fotos: Johanna Graupe