Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse im Gespräch
Wo würde Jesus heute stehen? Wen sollte er treffen? Und wo wäre er vielleicht nicht willkommen? Mit diesen Fragen machten sich die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Realschule Oberkirch im evangelischen Religionsunterricht auf den Weg in die Innenstadt. Im Gepäck hatten sie eine lebensgroße Jesusfigur und viele Fragen, die zum Nachdenken einluden.
Im Unterricht hatten sich die Jugendlichen zuvor intensiv mit dem Thema „Leben“ auseinandergesetzt. Was bedeutet es, für andere da zu sein? Welche Stärken und Schwächen prägen uns? Was heißt es, das eigene Leben für andere einzusetzen? Dabei beschäftigten sie sich unter anderem mit der biblischen Geschichte von Ruth und Noomi sowie mit dem Thema „Jesus gibt sein Leben für mich“. Daraus entstand die Frage, welche Bedeutung Jesus heute für unser Leben hat und wo er in unserer Gesellschaft seinen Platz finden könnte.
Jesus mitten auf der Hauptstraße
In der Innenstadt kamen die Jugendlichen mit mehr als 30 Passantinnen und Passanten ins Gespräch. Die Begegnungen waren offen, überraschend und vielfältig. Eine Antwort blieb besonders in Erinnerung: Auf die Frage, wo Jesus stehen sollte, sagte ein Passant sinngemäß: „Genau da, wo ihr ihn gerade hingestellt habt – mitten auf der Hauptstraße.“
Andere Menschen erzählten ganz persönlich von ihrem Glauben. So sagte eine Person, dass Jesus in ihrem Leben eine Rolle spiele, sie bete und sich auf ihn verlasse. Eine weitere Aussage lautete: „Ich trage Jesus im Herzen und wünsche mir, dass ihr ihn auch im Herzen tragt.“
Wo sollte Jesus nicht sein? Auch diese Frage brachte bemerkenswerte Antworten hervor. Für manche war klar: Alle Orte sind für Jesus zugänglich. Andere wünschten sich, Jesus möge vor dem Weißen Haus oder direkt vor dem Kreml stehen – dort, wo politische Entscheidungen getroffen werden, die das Leben vieler Menschen beeinflussen.

Kritisch nachdenken und offen auf Menschen zugehen
Die Aktion war mehr als eine ungewöhnliche Begegnung im Stadtzentrum. Sie gab den Jugendlichen die Möglichkeit, Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Überzeugungen und Sichtweisen kennenzulernen. Sie hörten zu, stellten Fragen und erlebten, wie verschieden Menschen ihr Leben verstehen und was es ausmacht zu leben und welche Hoffnungen sie mit Jesus verbinden.
Es ging darum herauszufinden, was für das eigene Leben bedeutsam ist. Die Schülerinnen und Schüler erhielten gute Wünsche für ihren weiteren Lebensweg und viele Impulse, die sie in ihren Alltag mitnehmen können: offen bleiben, genau hinschauen, eigene Überzeugungen prüfen und anderen Menschen mit Respekt begegnen.
Das muss nicht sein..

Ein besonderer Unterricht – mitten im Alltag Die Aktion machte deutlich, dass Unterricht nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Glaube, Verantwortung, Nächstenliebe und die Frage nach einem gelingenden Leben begegnen uns überall – auch mitten auf einer Hauptstraße.
Ein herzlicher Dank gilt dem Rektor und den Konrektoren der Realschule Oberkirch, die diese besondere Aktion ermöglicht und unterstützt haben.
Denn manchmal beginnt eine Aktion mit der Aussage: Einfach machen. Wir haben „einfach“ gemacht, in Sinn von ohne lange zu „überlegen“ und leicht sollte es sein, spielerisch und machen halt.
Text und Fotos: Britta Gerstenlauer