Junge Bühne startet Freilichtsaison
Von Johanna Graupe
Die kleine Hexe (Emma Müller) will es einfach wissen. Heimlich fliegt sie zur Hornisgrinde und feiert mit den großen Hexen die wilde Walpurgisnacht. Das ist ihr streng verboten, sie ist dafür viel zu jung und unerfahren. Es kommt, wie es kommen muss: Sie wird entdeckt.
Und die großen Hexen sind richtig fies. Sie finden, die kleine Hexe ist mit ihren einhundertsiebenundzwanzig Jährchen noch viel zu jung, um mittanzen zu dürfen. Die Oberhexe (Birgit Hellrung) stellt sie vor eine Prüfung. Sehr zum Missfallen der bösen Wetterhexe Rumpumpel (Maria Guerra) erhält sie aber die Chance, an der nächsten Walpurgisnacht teilzunehmen. Genau ein Jahr hat die kleine Hexe Zeit, eine „gute“ Hexe zu werden. Dann darf sie, vielleicht, bei der nächsten Walpurgisnacht dabei sein.


Noch haben die Hexen die Oberhand und schüchtern die kleine Hexe (Emma Müller) ein – aber die ist ganz schön clever und in der Hexenkunst beschlagen.
Hokuspokus Krötenei! Das lässt sich die kleine Hexe nicht zweimal sagen, sie nimmt die Aufgabe sehr genau. Gemeinsam mit ihrem treuen Freund, dem Raben Abraxas (Frauke Baldus-Fleck) übt und zaubert sie, was das Zeug hält und hilft, wo sie nur kann. Zusammen mit ihrem Raben vollbringt sie wahre Wunder und schafft es, eine richtig gute Hexe zu werden. Ihr großer Traum muss unbedingt in Erfüllung gehen – bei der nächsten Walpurgisnacht sollen die alten Hexen sie endlich in ihren Hexenkreis aufnehmen.
Ob die böse Gewitterhexe Rumpumpel sie heimlich beobachtet? Egal. Was sollte an ihren Taten auszusetzen sein? Die kleine Hexe tut doch alles, um „gut“ zu werden, aber was heißt eigentlich: eine „gute“ Hexe? Und schließlich kommt es anders, ganz anders. Es stellt sich die Frage, ob eine richtig gute Hexe wirklich gut ist, wenn sie zu allen gut ist. Muss eine gute Hexe nicht richtig böse sein?
Otfried Preußlers Kinderbuch verteidigt seit fast siebzig Jahren so konsequent wie erfolgreich die Perspektive der kleinen Erwachsenen. Wenn die Regeln der Großen willkürlich und gemein sind, braucht es vielleicht die Kleinen, um für das Gute zu sorgen. Schließlich passt auch in eine kleine Hexe ein riesengroßes Herz: „Und manchmal braucht es nur einzelne, um eine festgefahrene Welt zu verändern“ (Frauke Baldus).
Der Kinderbuchklassiker nach Otfried Preußler in der Regie von Frauke Baldus-Fleck und Maria Guerra ist eine liebenswerte Geschichte über den Wert der Freundschaft, die Kraft der Jugend und dem im Märchen stets siegenden Guten über das Böse. Grundschullehrer Preußler wollte mit der Geschichte schließlich auch seinen eigenen Kindern und Schülern die Angst vor Hexen nehmen.
Die Junge Bühne der Realschule zeigt in einer Besetzung von 70 Mitwirkenden auf und hinter der Bühne den Kinderbuchklassiker von Otfried Preußler aus dem Jahr 1957 in einer neuen Fassung, in der die Heimattage Oberkirch ebenfalls ihren Niederschlag finden – z. B. im Dialekt usw.
Freilichtaufführungen der Jungen Bühne im Garten des „freche hus“ sind am 16. Juli (Premiere ist ausverkauft), 19.7. und 26.7. jeweils um 10:30Uhr; Fr., 24.7. um 19.00 Uhr; Sa., 25.7. um 16:30 Uhr und 19.00 Uhr; So., 26.7. um 17.00 Uhr.
Kartenvorverkauf: www.ortenaukultur.de, Bürgerbüro der Stadt Oberkirch, 07802/82700, oder auf www.jungebuehne-oberkirch.de
Foto: Johanna Graupe