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An der Realschule Oberkirch gibt es vier Schwerpunkte zu diesem Thema:

1. Fördern und Fordern im Mathematikunterricht
2. Fördern und Fordern beim Fremdsprachenerwerb
3. Förderung der Lese-und Rechtschreibschwäche (LRS)
4. Hausaufgabenbetreuung

1. Fördern und Fordern im Mathematikunterricht der 5. Klassen

In einer Diagnosearbeit wird der Leistungsstand der Schüler bzgl. der schriftlichen Rechenverfahren
überprüft. Der Mathematiklehrer sucht aus seiner Klasse ca. fünf besonders leistungsstarke Schüler heraus, die in der Projektwoche in die Fordergruppe gehen. Diese Fordergruppe wird von einer zusätzlichen Lehrkraft betreut, wodurch alle Gruppen kleiner als die „normalen“ Klassen sind.

Fördern:
In den Verfahren der schriftlichen Addition und Subtraktion haben die Schüler erfahrungsgemäß die
wenigsten Probleme. Deswegen konzentrieren wir uns auf die „Punktrechnungen“. Die Multiplikation
wird zunächst an einfacheren Aufgaben erklärt und mit zunehmend schwierigeren Aufgaben vertieft.
Die schriftliche Division wird durch einstellige Divisoren erklärt, dann durch zwei- und dreistellige Zahlen erschwert. Um der immer noch heterogenen Gruppensituation gerecht zu werden, sind binnendifferenzierende Maßnahmen bzgl. Quantität und Qualität der Aufgabenstellungen erforderlich.
Zur Verbindung der Rechenverfahren wenden die Schüler ihre Kenntnisse in Textaufgaben an. Zum
einen soll hierbei das Textverständnis geübt werden, zum anderen die Fähigkeit zum mathematischen Denken.

Fordern:
In der Gruppe „Fordern“ sind Schülerinnen und Schüler aus allen Parallelklassen. Das hat zur Folge,
dass sich eine eigene, neue Gruppenstruktur bilden muss. Dieser Prozess wird durch interaktive Übungen zum sozialen Lernen in jedem Unterrichtsblock unterstützt. Inhaltlich werden, wie auch in den Gruppen „Fördern“ , die schriftlichen Rechenverfahren geübt und gefestigt. Dabei werden mehrstellige Zahlen verwendet, im Binärsystem gerechnet, Knobelaufgaben gelöst.
Lebensnahe Aufgabenstellungen, die wenig strukturiert und nicht formal aufbereitet sind und auf unsicheren Daten basieren, bieten Gelegenheit zu offenen Fragen und kreativem Umgang mit Modellierungsprozessen. Diese sogenanntern „Fermi-Aufgaben“, sind selbstdifferenzierend, ändern die Fehlersicht und fordern Selbstkorrektur heraus. (Friedrich-Verlag, Mathematik lehren Nr. 131 2005)

2. Fördern und Fordern beim Fremdsprachenerwerb 

Am Ende des ersten Schulhalbjahres der Klasse 5 entscheiden die Lehrerinnen und Lehrer im Fach Englisch und im Brückenkurs Französisch zusammen mit den Eltern über folgende Fördermöglichkeit:
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 nehmen bis zum Ende der 6. Klasse am Brückenkurs Französisch teil. Die Schülerinnen und Schüler, die mit dem Erlernen der Pflichtfremdsprache Englisch Probleme haben, erhalten zeitgleich zum Brückenkurs eine zusätzliche Förderstunde Englisch.


Das 9. und 10. Schuljahr konzentriert sich im Wesentlichen auf die Abschlussprüfung im 10. Schuljahr.
Zum Ende der 8. Klasse verfügen die Schüler laut Bildungsplan „über grundlegende grammatische Strukturen und Formen, die zur Verständigung“ in der Zielsprache erforderlich sind. In Klasse 9 und 10 werden der Umgang mit Texten und Formen der sprachlichen Präsentation verstärkt geübt, damit sich die Schüler auf die EuroKomprüfung im 1. Halbjahr des 10. Schuljahres einstellen können. Diese Prüfung ist eine mündliche Prüfung mit 3 Schwerpunkten:
- Präsentation eines Schwerpunktthemas
- Hörverstehen
- Kommunikative und situative Kompetenz
Diese Prüfung hat die gleiche Wertung wie die schriftliche Prüfung, Ende des 10.Schuljahres.
Zur Förderung der kommunikativen und situativen Kompetenz sowie zur Förderung des Hörverstehens haben die Schüler an der RSO die Möglichkeit, in Klasse 8 oder 9 am Schüleraustausch mit unserer Partnerschule, der Sir Thomas Picton School in Haverfordwest (Wales) teilzunehmen.

3. Förderung der Lese- und Rechtschreibschwäche in den Klassenstufen 5 und 6

Seit dem Schuljahr 1999/2000 existiert an der Realschule Oberkirch ein spezieller Kurs für lese-rechtschreibschwache Schüler der Orientierungsstufe (5./6. Klasse). Hierbei steht die Einzelförderung im Vordergrund.
An der von unserer Schule angebotenen „besonderen Fördermaßnahme“ nehmen pro Schuljahr etwa 120 Schüler teil. Die Klassenkonferenz der 5. Klassen stellt anhand von festgelegten Kriterien (LRS-Test; Diktate; Aussagen des Deutschlehrers und der übrigen Fachlehrer, besonders des Englischlehrers) nach einem Beobachtungszeitraum von ca. drei Monaten fest, für welche Schüler ein Förderkurs notwendig ist (Neuzugänge im laufenden Schuljahr sind jederzeit möglich!). Das Einverständnis der Eltern entscheidet allerdings letztendlich über die Teilnahme.
Die Förderdauer beträgt in der Regel ein bis zwei Jahre; entscheidend sind die Lernfortschritte bzw. die Rechtschreibleistungen des jeweiligen Schülers. In begründeten Einzelfällen kann die Förderung auch über die Klasse 6 hinaus bzw. erst ab Klasse 7 erfolgen. Ebenfalls sind Maßnahmen des Nachteilsausgleichs möglich.
Zu Beginn der Förderung findet ein Elternabend für die Eltern der LRS-Schüler statt. Dort haben die betroffenen Eltern zum einen Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, zum anderen erhalten sie wichtige Informationen zur „Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums zur Änderung der Verwaltungsvorschrift ‚Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf’ “ vom 22. August 2008. Außerdem werden die Inhalte der Förderung vorgestellt und erläutert.
Die eigentliche Förderung findet nicht in der Schule, sondern zu Hause statt. Jeden Tag (außer am Wochenende und in den Ferien!) werden dem Schüler von einem so genannten „Helfer“ – in den meisten Fällen ist es die Mutter – ca. 30 Wörter diktiert, die, wenn sie falsch geschrieben sind, in einer Lernkartei aufgenommen werden. Die Wörter dieser Lernkartei werden in immer größeren Abständen wiederholt (täglich/wöchentlich/monatlich), sodass der Schüler ein für ihn schwieriges Wort nach ca. sechs Wochen in der Regel mühelos und fehlerfrei schreiben kann. So beherrscht er nach einem Zeitraum von etwa vier Monaten einen Gebrauchswortschatz, der aus 750 Wörtern – nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt – besteht.
Mit einer „Liste der 120 häufigsten Fehlerwörter“ wird ebenso verfahren.
Nachdem der Schüler in der 1. Phase der Förderung nur einzelne Wörter geschrieben hat, beschäftigt er sich in der 2. Phase zunächst mit kurzen, einfachen Diktaten und später mit längeren, schwierigeren Diktaten. In den jeweiligen Diktaten treten die aus dem Gebrauchswortschatz bereits bekannten Wörter nun im Satzzusammenhang auf. Wurde in der 1. Phase lediglich die Merkfähigkeit des Schülers trainiert, so wird er in der 2. Phase auch mit den verschiedenen Rechtschreibregeln konfrontiert. Warum ist die Hilfe der Eltern bei der Förderung eigentlich unerlässlich? Zum einen ist es in der Schule technisch nicht möglich, mit jedem LRS-Schüler täglich eine bestimmte Anzahl von Wörtern oder Diktate zu üben – und nur tägliches konsequentes Üben (nicht mehr als 15 Minuten!) bringt letztendlich den ersehnten Erfolg -, zum anderen können Eltern mehr als zum Beispiel Lehrer oder andere Erwachsene ihr Kind psychisch unterstützen und sein Selbstbewusstsein stärken. Betz/Breuninger sagen in ihrem Ratgeber „Jedes Kind kann schreiben lernen“ (Weinheim und Basel 1991): „Lese-rechtschreibschwacheSchüler brauchen dringend die Unterstützung ihrer Eltern, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden.“
So übernimmt der Förderlehrer in erster Linie die Rolle des Beraters. In festgelegten zeitlichen Abständen findet ein 15-minütiges Treffen zwischen Schüler, Helfer und Förderlehrer statt, das diesem die Gelegenheit gibt, den Lernfortschritt des LRS-Schülers zu kontrollieren und
Ratschläge für die weitere häusliche und schulische Arbeit zu geben. Schwierigkeiten werden besprochen, Schüler und Helfer bei evtl. auftretenden Rückschlägen ermutigt. Der Förderlehrer fungiert als Ansprechpartner, der selbstverständlich nicht nur bei den jeweiligen Treffen, sondern zu jeder Zeit die vonseiten des LRS-Schülers und seines Helfers gewünschte Unterstützung anbietet.
In der 6. Klasse arbeiten die LRS-Schüler weiterhin täglich 15 Minuten zu Hause und nehmen dann zusätzlich an zunächst wöchentlich, später monatlich stattfi ndenden Förderstunden in Kleingruppen teil, in denen Konzentrationsspiele gemacht werden, ein Training zur Verbesserung der Arbeitshaltung absolviert und die Lesesicherheit gesteigert wird. In der Gruppe soll dem jeweiligen Schüler das Gefühl vermittelt werden, kein Einzelfall zu sein. In einer Gruppe von Gleichgesinnten lassen sich nämlich Probleme, die jeder aus eigener Erfahrung kennt, besser bewältigen. Auf diese Art und Weise empfi ndet sich ein LRS-Schüler nicht länger als Einzelkämpfer, der sich allein gelassen und unverstanden fühlt, sondern als Mitglied einer Gruppe, die seine Schwäche akzeptiert und in ihm nicht den Versager sieht. Der Schüler erfährt durch Eltern, Lehrer und Mitschüler,
dass man

- ihm seine Schwierigkeiten nicht vorwirft
- seine Ängste und Unsicherheiten ernst nimmt
- seine Fähigkeiten bewundert und stärkt
- Überforderungen erspart
- ihm in schwierigen Lagen beisteht und zu ihm hält.“
  (Betz/Breuninger)

Diese Erfahrung trägt zur Stärkung seines Selbstwertgefühls bei, was sich letztendlich positiv auf seine Rechtschreibleistung auswirkt. Zu einem angstfreien Lernen trägt sicherlich auch im Hinblick auf die Bildung der Gesamtnote in Deutsch und den Fremdsprachen die geringe Gewichtung der Lese- und Rechtschreibleistungen bei sowie die Gewissheit, dass die Rechtschreibleistungen in den übrigen Fächern gar nicht in die Beurteilung mit einbezogen werden (Voraussetzung ist allerdings die Teilnahme am Förderkurs!!!). Eine so genannte „Schonzeit“ hilft dem Schüler also, seine vorhandene Rechtschreibschwäche in wirklicher „Seelenruhe“ zu beheben bzw. zu verringern.
Die Teilnahme an einem Förderkurs garantiert nicht zwangsläufi g den gewünschten Erfolg. In einigen Fällen müssen evtl. wirksamere Methoden (z.B. Behandlung durch einen Schulpsychologen) angewandt werden.
Jedoch bleibt zum Schluss zu erwähnen, dass zwar nicht jeder LRS-Schüler aus dem Förderkurs als perfekter bzw. nahezu perfekter Rechtschreiber hervorgeht, aber zumindest als ein Mensch, der gelernt hat, mit seiner Schwäche zu leben und sich nicht als Versager sieht, sondern als einer unter vielen Leidensgenossen.

4. Hausaufgabenbetreuung für die Klassenstufen 5-7
                              (link bitte anklicken)